„[I]n lieblichster Muße Land und Volk zu beobachten“: das Morgenblatt für gebildete Leser und die Formierung ethnographischen Wissens (1837–1857)
Über dieses Buch
Das 19. Jahrhundert war eine Epoche der gesellschaftlichen Beobachtung und Beschreibung. Im Kontext des expandierenden Pressemarktes und des bürgerlichen Lebens kam es in Europa zu einer deutlichen Zunahme von Darstellungen des Sozialen. Gleichzeitig bildeten sich neue, ausdifferenzierte literarisch-journalistische Genres heraus.
Die vorliegende Dissertation untersucht diese sogenannten ‚publizistischen Gesellschaftsbeschreibungen‘ am Beispiel der populären deutschsprachigen Zeitschrift Morgenblatt für gebildete Leser im Zeitraum von 1837 bis 1857. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich ethnographische Wissensformate in dieser Zeit etablierten und in welcher Verbindung sie zu den Anfängen der wissenschaftlichen Ethnographie standen. Die Quellen werden ins Spannungsfeld von Publizistik, zeitgenössischer Wissenschaft und Geistesströmungen wie Romantik und Sozialreform gestellt.
Mithilfe eines Methodenmixes aus qualitativer Inhaltsanalyse, Hermeneutik und (historischer) Diskursanalyse werden die Kategorien Wissenspraktiken, -formate, -ordnungen und Akteur*innen beleuchtet. Die Arbeit rückt bislang wenig beachtete publizistische Quellen ins Zentrum einer wissenshistorischen Betrachtung der prädisziplinären Phase der Sozial- und Kulturwissenschaften (Volkskunde, Völkerkunde, Soziologie).
Alexandra Rabensteiner studierte Europäische Ethnologie und Geschichte in Innsbruck und Wien und promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Fach Empirische Kulturwissenschaft. Ihre Dissertation entstand in ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in DFG- und ERC-geförderten Projekten zur Formierung ethnografischen Wissens in der Publizistik des 19. Jahrhunderts.
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